Schmerzen in der HWS (Halswirbelsäule)


Wenn man eine defekte LWS (Lendenwirbelsäule) hat, wirkt sich das früher oder später auch auf die HWS (Halswirbelsäule) aus. In meinem Fall musste meine restliche Wirbelsäule die Verplattung im Bereich L5/S1 und L3/L4 ausgleichen. Dazu gekommen ist die Tatsache, dass ich jahrelang – fünf Jahre - auf den Rücken gelegen bin und so gelesen oder ferngesehen habe. Immer zwei Polster in den Nacken geschoben kann auf die Dauer für die fragile HWS nicht günstig sein. Ich hatte meine Lehren aus meinen Bandscheibenproblemen in der LWS gezogen. Ein paar Wochen nach den ersten Schmerzen konsultierte ich meine Ärztin, eine hervorragende Neurologin. Sie schickte mich zur MRT (Magnetresonanztomographie)und sah auf den Bildern mindestens vier Bandscheibenvorwölbungen. Ich ging sofort zu einer Physiotherapeutin, die mir exzellente Übungen für die HWS zeigte.

Die Schmerzen in der HWS kamen heftig und überfallsartig. Ich wachte mitten in der Nacht auf und dachte, dass ein Messer in meiner HWS steckt. Diese Art von Schmerz kannte ich von meiner LWS. Auch hier fühlte es sich wie ein spitzes, manchmal heißes Messer an, das sich langsam immer tiefer in meinen Rücken bohrt.

Nach meinem Martyrium in der LWS war ich sensibilisiert. Ich begann sofort mit Gegenmaßnahmen in Form von Physiotherapie und Medikamenten. Wenn die Schmerzen zu heftig wurden nahm ich Deflamat mit Magenschutz. Dieses Medikament hat bei mir immer zu heftigen Magenschmerzen geführt, darum nahm ich es nur, wenn es wirklich nicht mehr anders ging. Am meisten half mir die Physiotherapie. Kontinuierlich machte ich die Übungen mindestens drei Mal pro Woche. Noch heute –zwei Jahre später - sind sie in meinem Programm. In der HWS sind die Schmerzen, trotz der Vorwölbungen, so gut wie weg.

Egal ob Schmerzen in der HWS, LWS oder BWS (Brustwirbelsäule) auftreten, das beste Mittel dagegen ist gezielte und regelmäßige Physiotherapie. Jeder sollte aber für sich abklären lassen, welche Übungen für die jeweilige Erkrankung die richtige ist. Mir wurde nach einer Operation in der LWS eine Übung gezeigt, die mich für Jahre zurückwarf. Die Schmerzen waren danach schlimmer als vor der Operation. Wenn ich nur diese Übung ausgelassen hätte, wären mir schlimme und lang anhaltende – über vier Jahre – erspart geblieben. 

Rückentraining für LWS und HWS


Diagonaler Hand-Gegen-Knie-Drücker

Man liegt auf den Rücken, am besten auf einer guten Gymnastikmatte. Die LWS (Lendenwirbelsäule) wird in die Unterlage gedrückt und die Bauchmuskulatur angespannt. Unbedingt weiter atmen! In dieser Stellung wird das linke Bein im rechten Winkel angehoben und die rechte Hand gegen das Knie gedrückt. Die Spannung zehn Sekunden halten. Danach wird die Seite gewechselt. Anfangs werden drei Sätze zu je zehn Wiederholungen gemacht. Das gilt für sämtliche Übungen.


Diagonales Arm und Bein in die Unterlage drücken

Dieselbe Ausgangsstellung wie bei der Übung „Diagonaler Hand gegen Kniedrücker. Abwechselnd wird der linke Arm und das rechte Bein in den Untergrund gedrückt. Dabei wieder auf die Atmung achten! Beim Anspannen ausatmen und beim Loslassen einatmen.


Der Vierfüßer

Man kniet sich auf allen Vieren auf die Matte. Die Wirbelsäule sollte eine Linie mit der Unterlage bilden und darf nicht durchhängen. Wichtig ist die Anspannung der Bauchmuskulatur. Es ist ratsam anfangs die Übung zu kontrollieren. Entweder in einem Spiegel oder durch einen Trainingspartner, bzw. Physiotherapeuten. In dieser Stellung wird der rechte Arm und das linke Bein ausgestreckt und in eine Linie mit der Unterlage und der Wirbelsäule gebracht. Danach der linke Arm und das rechte Bein. Anfangs drei Sätze zu je zehn Wiederholungen.

Den Kopf und Arm zur Seite gleiten lassen

Diese Übung stärkt die feine Muskulatur der fragilen HWS (Halswirbelsäule). Man liegt mit angezogenen Beinen auf der Matte. Atmung beachten und Bauchmuskulatur anspannen. Die LWS wird in die Unterlage gepresst. Die beiden Arme werden in die Höhe gestreckt. Der rechte Arm wird ausgestreckt langsam zur Seite auf die Unterlage gelegt und kommt wieder zurück in die Ausgangsposition. Der Kopf dreht sich mit dem Arm mit. Man schaut dem Arm beim Senken und Anheben zu. Danach kommt die linke Seite an die Reihe. Wenn man diese Übungen gut beherrscht, kann man zur Steigerung leichte Gewichte in die Hände nehmen. Zu empfehlen ist ein zusammengelegtes Handtuch, das unter den Kopf geschoben wird. Die HWS sollte in einer Line mit der restlichen Wirbelsäule sein.

Beide Arme diagonal fallen lassen

Man streckt beide Arme in die Höhe. Dann lässt man einen Arm zurück und einen nach vor fallen. Nicht zu weit, sodass noch eine gute Spannung in der Bauchmuskulatur vorhanden bleibt. Diese Übung wird mit angezogenen Beinen durchgeführt. Wahlweise kann man sich eine Knierolle unter die Beine legen. Diese Übung lässt sich mit leichten Gewichten steigern.



Arme und Schulter abwechselnd anheben

Die Ausgangsstellung wie bei der letzten Übung. Jetzt wird abwechselnd jeweils ein Arm in die Höhe gestreckt. Die jeweilige Schulter wird leicht mit angehoben. Beim Hochstrecken ausatmen! Wie bei allen Übungen gilt auch hier: Drei Sätze zu je zehn Wiederholungen. Zur Steigerung kann man 1 bis 2 kg Hanteln nehmen.



Psychokybernetik


Einige Therapiemethoden bei starken und/oder chronischen Rückenschmerzen, ausgelöst durch Bandscheibenvorfall, Wirbelabnutzung oder Ähnliches.
Ein Buch mit dem sperrigen Titel "Psychokybernetik oder Geistheilung durch sich selbst" war tatsächlich meine erste Hilfe zur Bekämpfung meiner Nikotinsucht. Es ist ein vorzügliches Werkzeug, wenn man sich verändern möchte. Psychokybernetik ist eine Methode, durch positives Denken und Handeln sein Leben erfolgreich und glücklich zu gestalten. Jeder Mensch verfügt über diese Kraft. Bei den meisten schlummern sie ungenutzt vor sich hin. Etwa 20 Prozent der geistigen Kapazität werden von uns genutzt, die restlichen 80 Prozent liegen brach. Diese Technik kann der Schlüssel für vitales und glückliches Leben sein. Und es hat mir geholfen mit dem Rauchen aufzuhören.

Eine Technik aus dem Buch, die ich heute noch anwende ist die der Farbentechnik. Ich stelle mir vor dem Einschlafen sieben Farben mit jeweils sieben Stufen vor, die in meinem geistigen Erholungsort führen. Diesen Ort kann sich jeder für sich gestalten. Meiner ist ein wunderschöner Park an einem ebenso wunderschönen Frühlingsmorgen. Bevor ich mich auf die erste Stufe begebe, bringe ich mich mit richtigem Atmen in Stimmung. Dann beginne ich mir die Farben und die Zahlen vorzustellen. Die erste Stufe 7 färbe ich mit Rot ein. Die zweite Stufe 6 mit Orange. Die Stufe 5 mit Gelb. Es folgen die 4 mit Grün, die 3 mit Blau, die 2 mit Lila und die 1 mit Violett.

Wenn ich auf der Eins bin, überkommt mich eine herrlich angenehme Stille und Geborgenheit. Ich betrete meinen Park, meinen geistigen Erholungsort. Es ist damit erklärbar, dass man sich mit dieser Methode vom Beta-Zustand zum Alpha-Zustand des Gehirns meditiert. Beta Wellen bezeichnet man als normalen Wachzustand (Frequenzbereich 13 bis 30 Hz), Alpha Wellen als tief entspannten Zustand (6 bis 12 Hz). Weiteres gibt es noch die Theta Wellen (3,5 bis 6 Hz), die den Schlafzustand bezeichnen und schließlich die Delta Wellen (0,5 bis 3,5 Hz), die im Koma gemessen werden.

Ich nütze diese Technik heute noch zur Entspannung vor dem Einschlafen. Oder eben zur Schmerzlinderung, indem ich mir vorstelle, dass sich in meiner Lendenwirbelsäule eine angenehme Wärme bildet, die meine Schmerzen mindert. Ich hülle mit dieser warmen und hellen Imagination meinen Problembereich in der LWS ein. Nach 15 Minuten setzt die Wirkung ein. Statt des Schmerzes fühle ich nur noch Wärme und Wohlbefinden. Es versteht sich von selbst, dass diese Methode nicht wirkt, wenn sich losgelöste Bandscheibenteile im Spinalkanal tummeln. Oder eine Bandscheibe an diverse Nerven drückt, oder diese abdrückt. Bei Diagnosen dieser Art hilft nur mehr ein chirurgischer Eingriff. Nach einer erfolgreichen Operation kann die Psychokybernetik helfen. 

Das Wichtigste dabei ist die visuelle Vorstellungskraft, die trainierbar ist. Wie bei den Farben auf den sieben Stufen. Ein Kind wird damit keine Schwierigkeiten haben. Erwachsene haben diese Vorstellungskraft meist eingebüßt. Man kann sie wie einen Muskel wieder aufbauen. Anfangs stellt man sich eine weiße Wand vor. Vor dieser Wand stellen sie sich mit einem Eimer Farbe hin, tauchen einen Pinsel in den Eimer und beginnen die Wand systematisch von links nach rechts, von oben nach unten einzufärben. Wenn Sie das jeden Tag machen, verselbstständig sich Ihre Vorstellungskraft. 

Ernährung für Gewichtsreduktion


Einige Therapiemethoden bei starken und/oder chronischen Rückenschmerzen, ausgelöst durch Bandscheibenvorfall, Wirbelabnutzung oder Ähnliches.
Ich habe innerhalb eines Jahres fast 25 Kilogramm abgenommen. Diese Tatsache wirkte sich äußerst günstig auf meine lädierte Lendenwirbelsäule aus. Im Fitnessstudio würde ich es nicht ohne Schmerzen schaffen 25 kg-Hanteln zu stemmen. Trotzdem schleppte ich diese unnötigen 25 kg als Bauchfett jahrelang mit mir herum. Kein Wunder, dass sich meine Schmerzen mit der Zeit manifestierten und chronisch wurden. Ich habe jetzt zwar noch immer Schmerzen, jedoch nicht mehr so häufig und nicht mehr in dieser Intensität. Wie mir das gelungen ist?

Begonnen habe ich damit, dass ich mich jeden Morgen nach dem Aufwachen auf die Waage stellte und die Zahl in meinen Organizer am PC übertrug. So hatte ich eine Kontrolle über mein Gewicht. Anfangs war es eine ziemlich zähe Angelegenheit, weil mich immer wieder Rückschläge in Form von Fressattacken heimsuchten. Motivation bekam ich von meinen Ärzten. Meine Leberwerte waren zum Beispiel nicht mehr die Besten und mein Blutzuckerspiegel befand sich in bedenklichen Höhen. Also war ich gut beraten abzunehmen. Meinen Gamma GT-Wert konnte ich von 160 auf 60 senken und meinen Blutzuckerspielgel konnte ich von einer einmaligen Entgleisung von über 400 mg/dl auf konstante 85 mg/dl nüchtern senken. Alles in allem war das Abnehmen ein großer Erfolg für meine Gesundheit, vom Wohlbefinden und gestärkten Selbstbewusstsein mal abgesehen. Jetzt schenken mir Frauen wieder Beachtung und das tut gut! Ich kann nur von Vorteilen und gesteigerter Lebensfreude berichten.

Jetzt halte ich erfolgreich mein Gewicht von plus minus 90 kg. Ich bin 191 cm groß und trachte, dass ich nicht mehr über 91 kg komme. Mein Bauchfett ist so gut wie weg und meine Bandscheiben danken es mir jeden Tag. 

Ich beginne mal damit, was ich ernährungstechnisch alles weglasse. Ich verzichte seit etwa sechs Monaten auf fast sämtliche Milchprodukte. Kein Joghurt und keine Milch. Außer ein wenig Käse hin und wieder, lasse ich Milchprodukte jeglicher Art weg. Eine Ernährungsberaterin gab mir den Tipp nach meiner Nierenerkrankung. Im Februar 2012 entfernte man mir erfolgreich ein bösartiges Karzinom an der linken Niere. Zu viele Milchprodukte, in welcher Form auch immer, können einen Tumor nachwachsen lassen. Außerdem begünstigt dieser Verzicht das Abnehmen. Zucker, oder zuckerhaltige  Produkte meide ich zur Gänze. Weißbrot, oder weißes Mehl wird ebenso gemieden. Nikotin und Alkohol kommen mir nicht mehr ins Haus. Ich trinke ausschließlich Wasser, Tee und wenig Kaffee. Seit ich diese ungesunden Produkte aus meinem Speiseplan gestrichen habe, sind meine Kilos gepurzelt.

Physiotherapie


Einige Therapiemethoden bei starken und/oder chronischen Rückenschmerzen, ausgelöst durch Bandscheibenvorfall, Wirbelabnutzung oder Ähnliches.
Regelmäßiges Rückenturnen ist wohl das Wichtigste nach einem Bandscheibenvorfall oder einer Operation. Oder ganz einfach als Profilaxe. Da es viele verschiedene Übungen für unterschiedlichste Rückenbeschwerden gibt, braucht man etwas Glück bei der Wahl der Physiotherapie. Ich kann hier nur meine eigenen Erfahrungen wiedergeben, jedoch auch einiges, das ich von Leidensgenossen mitbekommen habe. 

Ich machte einen großen Fehler, als ich im Alter von 43 Jahren mit regelmäßigen Sport in Form von Laufen und Bodybuilding begann. Da ich schon an einem Bandscheibenschaden litt, hätte ich mich unbedingt untersuchen lassen müssen. Allein, ich wusste davon nichts. Trotz meiner abgenützten Bandscheibe im Bereich L5/S1 verspürte ich keine Schmerzen. Man hört und liest es zwar überall, dass man sich untersuchen lassen sollte, wenn man im Alter von 40 Jahren mit regelmäßigen Sport beginnt, aber aus mir heute unverständlichen Gründen unterließ ich es. Ein schwerer Fehler, wie sich bald zeigen sollte! 

Mit einer Komplettuntersuchung und gezielter Physiotherapie hätte ich mir den ganzen Wahnsinn wahrscheinlich erspart. Ich kann also hier nur mehr über das Danach schreiben. Nach den fürchterlichen Schmerzen und nach den Operationen. Ein langer und zäher Weg, aber es hat letztlich doch geholfen. Physiotherapie ist Teil meines Lebens geworden. Ich gehe drei Mal in der Woche in mein Fitnessstudio. Wenn die Schmerzen zunehmen hole ich mir vom Arzt eine Verschreibung für 10 Physiotherapie-Einheiten.

Für zu Hause kaufte ich mir eine gute Gymnastikmatte, die etwa € 120.- kostete. Dazu leichte Hanteln und verschieden starke Thera-Bänder. Am Rücken liegend kann ich alle für mich wichtigen Übungen am Schlafzimmerboden machen. Das Thera-Band ist in den Löchern meines Matratzenauflagebrettes befestigt. Dieses Brett liegt anstelle eines Lattenrostes unter meiner Matratze. Dieses Brett lies ich mir, wie das gesamte Bett, von einen Tischler machen. Das sollte man sich ab einem gewissen Alter ohnehin machen lassen, auch ohne Rückenprobleme, denn das wäre eine gute Profilaxe. Das Brett empfiehl mir eine Physiotherapeutin und das erwies sich als ein guter Tipp. 

Einige meiner täglichen Standardübung beginnen vor dem Aufstehen. Mit angezogenen Beinen und am Rücken liegend spanne ich meine Bauchmuskulatur an. Gleichzeitig presse ich leicht meine Lendenwirbelsäule in die Matratze. Bevor ich dann aus dem Bett steige, drehe ich mich zur Seite und setze mich so auf. Keinesfalls aus der Rückenlage im Bett aufsetzen! Das belastet zu sehr die Lendenwirbelsäule. Aus der Seitenlage lasse ich meine Beine aus dem Bett gleiten und entlaste damit meine Wirbelsäule. Danach entrolle ich meine Matte, die unter meinem Bett liegt. Ein kleiner Polster sorgt für eine stabile Halswirbelsäule. Dann beginne ich auf der Matte mit der Übung, die ich vorher im Bett machte. Während die Lendenwirbelsäule in den Untergrund gedrückt wird spanne ich meine Bauchmuskulatur an. Ganz wichtig ist es dabei weiter zu Atmen. Bei den Übungen den Atem nie anhalten oder gepresst atmen. In der Regel beim Anspannen ausatmen und beim Entlasten einatmen. Bei der nächsten Übung kommt die rechte Hand zum linken Knie und umgekehrt. Wenn meine Hand das Knie berührt, presse ich leicht dagegen und halte die Spannung etwa drei bis sechs Sekunden. Während der Anspannung achte ich wieder darauf, dass die LWS (Lendenwirbelsäule) und die Bauchmuskulatur ebenfalls angespannt sind. Die Wiederholungen kann jeder für sich bestimmen. Ich mache jeweils zehn Wiederholungen in drei Sätzen. Anschließend komme ich zur dritten Übung. Ich drücke den linken Arm und den rechten Fuß in die Matte und wechsle von links auf rechts. Das Weiteratmen und die Anspannung der LWS und Bauchmuskulatur sollte schon Programm sein. Dann variiere ich mit den Übungen. Ich mache verschiedene Wiederholungen mit den Hanteln oder mit dem Thera-Band.

Das Schmerzgedächtnis


Da ich sieben Jahre unter unsäglichen Schmerzen litt, habe ich mich ausgiebig mit diesem Thema beschäftigt. Irgendwann wollte ich wissen, was das Schmerzgedächtnis ist und vor allem, wo es ist und wie es aussieht. Folgendes konnte ich recherchieren: Jahrelanger Schmerz hinterlässt Spuren im Gehirn und Rückenmark. Man kann sich das so vorstellen, dass bei einem gesunden schmerzfreien Menschen die Nervenstränge (Rückenmark) linear von oben (Gehirn) nach unten (Lendenwirbelsäule) verlaufen. Es sind gerade Bahnen ohne Abzweigungen. Bei einem Schmerzpatienten bilden sich in diesen Bahnen Verästelungen, es werden neue Wege gebildet. So kann man sich das bildlich vorstellen.

Ein Schmerzgedächtnis kann der Körper entwickeln, wenn Schmerzen über einen langen Zeitraum bestehen und unbehandelt bleiben. Die Nervenbahnen, die den Schmerzimpuls durch den Körper leiten, werden dadurch ständig gereizt, ähnlich wie bei einem ständigen Trainingseffekt, mit der Folge, dass sich die Schmerzen verselbstständigen. Dauerschmerz hat Einfluss auf die genetische Aktivität der Nervenzelle. Dadurch bilden sich neue Eiweißketten, die die Zellmembran verändern, dass die Nervenzelle schneller reagiert. Die Folge ist dann mehr Schmerz.

Wer den Schmerz lindern will, muss das Schmerzgedächtnis behandeln, die Spuren im Gehirn und im Rückenmark verändern. Löschen lässt sich das Schmerzgedächtnis nicht, nur mit einer anderen positiven Information überschreiben. Genauso wie man sich Schmerzen antrainiert hat, kann man sie auch wieder verlernen.

Obwohl das Schmerzgedächtnis äußerst stabil ist, bleibt es nicht unangreifbar. Im Gehirn befindet sich zwar keine Löschtaste, aber das Schmerzgedächtnis lässt sich durch Re-Learning überschreiben. Man muss wieder lernen schmerzfreie Erfahrungenen zu machen. Leider gehen die meisten Schmerzpatienten solchen Lernsituationen aus dem Weg. Wenn zum Beispiel das Laufen schmerzt, wird es nach Möglichkeit gemieden. Der Schmerz sollte zuvor medikamentös ausgebremst werden. Die dann schmerzfreie Situation prägt sich dem Schmerzpatienten ein. Häufige Wiederholungen dieser Art fördern dann die Basis für nachhaltige Effekte.

Ich begann noch mit ziemlich starken Schmerzen wieder zu laufen und bemerkte, dass während der Bewegung der Schmerz weniger wurde. Gleichzeitig nahm ich damals sehr starke Medikamente, die mir halfen mein Schmerzgedächtnis zu überschreiben. Das war ein langer Prozess, der sich über Jahre hinzog.

Mein Schmerz wurde anfangs mit einigen Operationen, die notwendig waren, bekämpft. Die vorausgegangene Medikation hat so gut wie überhaupt nicht geholfen. Die Operationen gaben mir zwar Stabilität in der Wirbelsäule, aber der Schmerz blieb. In der nächsten Phase versuchte man es mit Elektroden und Physiotherapie. Der Schmerz blieb hartnäckig. Erst eine starke morphinhaltige Medikation läutete die Überschreibung meines Schmerzgedächtnisses ein.

Spätestens jetzt hatte ich den Beweis, dass es möglich war die Schmerzen zu ändern. Was ich hier in ein paar Sätzen abhandle, war ein Prozess von sieben Jahren. Aber es hat funktioniert. Heute laufe ich wieder, wenn auch etwas gemütlicher. Und das Ganze so gut wie schmerzfrei. Ohne Medikation. Wenn Schmerzen auftreten ziehe ich meine MBT-Schuhe an oder behandle mich mit einem TENS-Gerät.

TENS-Geräte und Rückengürtel


Einige Therapiemethoden bei starken und/oder chronischen Rückenschmerzen, ausgelöst durch Bandscheibenvorfall, Wirbelabnutzung oder Ähnliches.

TENS-Geräte können eine große Hilfe bei chronischen Rückenschmerzen sein. TENS steht für Transkutane elektrische Nervenstimulation. Auch ist bei dieser Methode zu beachten, dass sie nicht jeden Schmerzpatienten hilft. Für mich war es fast die beste Hilfe, da man bei dieser Methode keine unangenehme Nebenwirkung, oder Nachwirkung hat. Fast bei jedem Medikament hat man leider diese Auswirkungen. Entweder sie helfen gar nicht, wie etwa die rezeptfreien Präparate. Oder sie schlagen schwer auf den Magen, wie Infusionen oder Tabletten der Diclofenac-Gruppe, Leber- und Nierenschäden inklusive. Dann gibt es noch die wirksamen Opioide oder Morphin. Die helfen zwar, machen jedoch in kurzer Zeit abhängig. Wobei bei letzteren Wirkstoffen beobachtet wurde, dass sie, wenn sie gleich bei Beginn der Schmerzen angewandt, die größten Erfolge erzielen. Dadurch wird der chronische Schmerz unterbrochen, bzw. gar nicht erst zugelassen. Und wenn man das Opioid oder Morphin nicht viel länger als drei Wochen nimmt ist die Abhängigkeitsgefahr nicht so groß. Abschließend wären noch Die Schmerzpflaster zu erwähnen. Auch hier ist höchste Vorsicht geboten! Sie beinhalten den Wirkstoff Fentanyl, der mitunter stärker als Morphin wirkt. Die Dosierung eines Pflaster ist so angelegt, dass der Wirkung mindestens 48 Stunden anhält. 

Das alles fällt bei einem TENS-Gerät weg. Eine solche Stimulation unterbricht im besten Fall die Schmerzsignale zum Gehirn, außerdem fördert es die Durchblutung im schmerzenden Bereich. Ich kann von dieser Methode nur Loblieder singen, zumal ich alle oben angeführten Therapien kenne. Mir wurden auch Elektroden eingesetzt, daher fiel mir die schmerzstillende Wirkung auf. Die Elektroden hatte ich drei Jahre in mir und wurden dann wieder operativ entfernt. Heute habe ich immer ein TENS-Gerät in Reichweite, da ich meinen Medikamentenbedarf ziemlich einschränken musste. Im Februar 2012 wurde mir ein bösartiges Karzinom an der linken Nieren entfernt. Und ich befürchte, dass der Grund hierfür in der fast siebenjährigen chemischen in Form von Infusionen und Tabletten zu suchen ist. 

Meine neuste Errungenschaft ist ein Rückengürtel mit eingebautem TENS-Gerät. Wenn ich keine Möglichkeit habe mich hinzulegen, wenn die Schmerzen zu stark werden, verwende ich diesen Gürtel. Er erwies mir hervorragende Dienste bei einem Dreistundenflug in einem Airbus. Ich verwende ihn aber auch manchmal zu Hause, wenn ich mich liegend oder sitzend entlaste. Es wurde daraus schon ein liebgewonnenes Ritual. Ich suche mir eine CD oder Vinyl aus, mache mir einen Rooibos-Tee und lege mich mit angelegtem Gürtel auf mein Bett. Dazu ein gutes Buch oder eine Zeitschrift und ich kann Urlaub von meinen Schmerzen machen.